
Seit über 25 Jahren sehe ich dasselbe Muster: PowerPoint nutzt fast jeder im Büro. Slides damit zu erstellen, mag fast keiner.
Folien-Design frisst Stunden. Layout-Raster ausrichten, Farben prüfen, Komponenten neu erfinden. Am Ende sieht es trotzdem nicht aus wie das, was McKinsey aus dem gleichen Material macht. Das Wissen liegt nicht im Tool. Es liegt in der Theorie dahinter: Tufte, Designsysteme, Brand-Tokens, Hierarchie, Whitespace.
Ein paar Kollegen fragen mich seit Jahren: „Wie baust du das eigentlich?” Die ehrliche Antwort ist undramatisch. Viel gelesen, viel ausprobiert, viel verworfen. Über zwei Jahrzehnte sammelt sich ein Bauchgefühl an, das schwer weiterzugeben ist. Es steckt in der Übung, nicht im Buch.
Also habe ich es in Code gegossen. Feinschliff. Ein brand-pluggable Designsystem für Claude Code. Du schreibst eine DESIGN.md oder lieferst HTML, das Plugin baut daraus ein markenkonformes .pptx. Bilder zum jeweiligen Thema kommen automatisch aus Unsplash dazu. Bisher war das einer der nervigsten Schritte.

Eine DSL-Grammatik, drei Output-Modi. /deck rendert Folien als .pptx. /excalidraw baut Architektur-Diagramme als bearbeitbare .excalidraw-Datei plus PNG. /svg schreibt Datenvisualisierungen und Infografiken, die in Excalidraw nicht passen. Alle drei lösen Farben und Typografie aus derselben tokens.json auf. Brand-Pack wechseln, alle drei Outputs wechseln mit.
Jede Marke bringt 30+ gebackene Single-Slide-Templates mit: KPI-Grid, 2×2-Matrix, Waterfall, Executive Summary und den Rest des üblichen Wortschatzes. Der Renderer füllt sie und adressiert Platzhalter per idx. Klingt langweilig. Hält aber.
Mit dabei sind 12 Brand-Packs, darunter Catppuccin, Nord, Gruvbox, Solarized und die Feinschliff-Varianten. Ein Verify-Lauf mit vierzehn Klassen (fünf visuelle, neun rhetorische) prüft jedes Deck, bevor es ausgeliefert wird. Eine Folie geht raus, wenn alle vierzehn grün sind.
/plugin marketplace add marsmike/feinschliff
/deck "Q1-Update: 12 Launches, 3 Kunden, 4,2 Mio. EUR ARR"

Wenige Minuten später: Folien, in denen die Designprinzipien schon eingebaut sind. McKinsey-kompatibel, ohne den McKinsey-Aufwand. Das Launch-Deck zu diesem Artikel hat das Plugin selbst gerendert. Das Werkzeug hat seine eigene Eröffnung gemacht.
Bei Smalltalk haben wir vor 30 Jahren angefangen, Wissen als Komponenten zu kapseln. Das hier ist im Grunde dasselbe Prinzip. Nur dass jetzt das LLM die Anwendung übernimmt.
Open Source, MIT: github.com/marsmike/feinschliff. Zwei weitere Plugins sind in Arbeit: Imagine für Bildgenerierung über die Feinschliff-Brand-Schicht und Remotion für programmatisches Video, dieselbe Pipeline auf Bewegung angewendet. Beide folgen demselben Brand-Pluggable-Modell. Stern setzen lohnt sich.